HYPO Invest Club - Norbert Walter
HYPO Invest Club: Norbert Walter fordert internationale Regulierung der Finanzmärkte
Internationaler Wirtschaftswissenschafter Norbert Walter diskutiert mit NÖ Landeshauptmann-Stv. Sobotka und NÖ-HYPO-General Harold über Trends und Optionen der Weltfinanzmärkte nach der Krise
(Wien/St.Pölten – 12. Oktober 2010) Vor rund 100 geladenen Gästen im Palais Niederösterreich in Wien hob Prof. Norbert Walter Montag abends die Notwendigkeit einer grundlegenden Überarbeitung des Weltfinanzmarktsystems auf Basis einer neuen Kultur der Aufsicht für Finanzmarktinstitute hervor. „Das Versagen der Risikokontrolle in den Finanzinstituten war ein Schlüsselfehler in der Krise. Es bedarf einer neuen Kultur der bankinternen Aufsicht. Da ist es hilfreich, die Besoldung dieser Einheiten unabhängig von der Ergebnisentwicklung der Geschäftsbereiche zu gestalten, um Komplizenschaft nicht zu fördern.“ Neben der Kritik am Aufsichtssystem hebt der frühere Chefvolkswirt der Deutsche Bank in seiner Rede die These hervor, dass die Finanzmärkte zukünftig effizienter und innovativer agieren müssen.
„Ohne einen effizienten, innovativen internationalen Finanzmarkt wird eine dynamische Weltwirtschaft nicht möglich sein. Es wird ihr an Kapital und Steuerung fehlen“, so Walter. Er plädiert in diesem Zusammenhang für eine lingua franca auf internationaler Ebene für die Finanzmärkte: „Da Finanzmärkte ihre Steuerungs- und Ausgleichsfunktion am besten in einem offenen internationalen System wahrnehmen können, gilt es, Strukturen hierfür zu entwickeln. Neben wichtigen Akteuren wie Banken, Versicherungen, Pensions- und Hedgefonds bedarf es effektiver Märkte mit hoher Funktionalität und Liquidität.“ Im Zuge dessen fordert der Ökonom eine verstärkte Zentralbank-unabhängige Liquiditätsversorgung für Wirtschaftsakteure. Dabei bewertet Walter das Konzept der Eigenkapitalforderung in Basel III als guten Kompromiss für die sehr unterschiedlichen Bankenstrukturen.
HYPO Investmentbank Generaldirektor Peter Harold schätzt das Thema Eigenkapitalsicherung ähnlich ein, wie der Gastvortragende Walter: „Jede Bankensteuer heißt defacto, dass eigenkapitalbildende Maßnahmen schwerer möglich werden.“ Innovationspotential ortet Harold bei vielen Finanzdienstleistern in der Entwicklung und Bereitstellung eines Geschäftsmodells, welches kundenadäquate Finanzierungsmöglichkeiten bietet. „Wenn man das richtige Modell hat, bietet man Innovation,“ hält Harold abschließend fest.
Der niederösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter, Wolfgang Sobotka, sieht den nachhaltigen Weg aus der Krise in einem Miteinander von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, faire und innovative Rahmenbedingungen und Möglichkeiten zu schaffen. Großes Entwicklungspotential ortet Sobotka traditionellerweise in den Ländern entlang der Donau. „Hier gilt das Land als Vorreiter. Niederösterreich hat den Donauraum immer als Entwicklungsraum gesehen. In erster Linie ist der Donauraum ein Bindeglied für das Land NÖ.“ Für das Jahr 2011 gibt es für den Landeshauptmann-Stellvertreter aufgrund der Budgetkürzungen für das Land jedoch im Moment keine andere Möglichkeit, als Defizite über eine gut durchdachte Ausgabenpolitik aufzufangen.
Der von Helmut Brandstätter moderierten Podiumsdiskussion folgte eine interessante und lebhafte Fragerunde aus einem großen Publikum an Gästen aus der Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben. Die Veranstaltung war der vierte HYPO Invest Club der NÖ HYPO Investmentbank nach der Premiere der Veranstaltung im Mai 2009 mit Prof. Lothar Späth als Keynote-Speaker, dem Besuch von Hans-Dietrich Genscher anlässlich des 20. Jahrestages nach dem Fall der Berliner Mauer im Oktober 2009 und dem Vortrag des EU-Vizepräsidenten a.D. Günter Verheugen im Juni 2010 über die Zukunft Europas und des Euros.