HYPO Invest Club - Peer Steinbrück
Peer Steinbrück im HYPO Invest Club: Schuldenschnitt für Griechenland unvermeidbar
Spitzenpolitiker Peer Steinbrück diskutierte mit HYPO NOE-Generaldirektor Peter Harold über die Verschiebungen im globalen Machtgefüge sowie deren Auswirkungen auf die EU
(Wien/St.Pölten – 7. Oktober 2010) Vor rund 100 geladenen Gästen konstatierte der Abgeordnete des deutschen Bundestages und ehemaliger deutscher Finanzminister Peer Steinbrück beim gestrigen HYPO Invest Club auf Einladung der HYPO NOE Gruppe in Wien eine Veränderung der politischen und ökonomischen Koordinaten im globalen Machtgefüge. Bei dieser Entwicklung sei ohne eine klare Strategie (des von Steinbrück so genannten) „ Europa Clubs“ keineswegs gewährleistet, dass Europa in Zukunft weiterhin in der „Champions Leage“ der globalen Weltwirtschaft mitspielen könne. Dazu stecke Europa in einer Krise, aber, so Steinbrück deutlich, „handelt es sich hierbei nicht um eine Eurokrise, sondern um eine Verschuldungskrise einzelner Mitgliedsländer. Wenn der Euro scheitern würde, würde die bisher weit fortgeschrittene Integration Europas um 20 Jahre zurückgeworfen.“ Deshalb müsse Europa all seine Kräfte mobilisieren und gemeinsam akkordiert vorgehen. Dazu präsentierte der ehemalige deutsche Bundesfinanzminister ein Bündl an Schritten, die seiner Meinung nach notwendig wären, um der derzeitigen Situation Herr zu werden. Unter anderem forderte Steinbrück einen Schuldenschnitt für Griechenland, ein europäisches Bankeninsolvenzrecht, die Re-Positionierung der Europäischen Zentralbank, ein Wirtschaftsprogramm für Griechenland sowie den europaweiten Schuldenabbau. Zum Thema Euro Rettungsschirm für Griechenland findet der SPD-Politiker klare Worte, „Griechenland ist pleite. Wenn Griechenland einen dritten Rettungsschirm braucht, fliegt uns das Land um die Ohren“.
Für Peter Harold, Generaldirektor der HYPO NOE Gruppe und Gastgeber des Clubabends, steht fest, dass „aufgrund der hohen Verschuldung Griechenlands ein Hair Cut unvermeidbar ist und dieser von den Banken schon weitestgehend vorweggenommen wurde. Dafür muss jedoch ein geordnetes Vorgehen sichergestellt werden. Ohne institutionelle Rahmenbedingungen fehlt die notwendige Sicherheit und das Vertrauen. Vertrauen ist aber das um und auf einer Bank, um erfolgreich wirtschaften zu können. Mir als Banker ist es daher im täglichen Bankgeschäft enorm wichtig, meinen Kunden und Partnern dieses Vertrauen und die nötige Sicherheit für ihre Geldanlagen und Zukunftspläne zu vermitteln“.
Deshalb sei es so wichtig, dass alle Mitgliedsländer zusammenhalten und die Europäische Währungsunion geschlossen und strategisch vorgeht.
Ein weiteres schlagendes Problem der globalen Finanzwirtschaft sieht Peer Steinbrück in dem derzeit markanten Auseinanderdriften von Kapitalmarkt und Realwirtschaft. „Wir haben es mit einer Gegenüberstellung von 900 Billionen Euro weltweit jährlich am Kapitalmarkt bewegtem Geld gegenüber 60 Billionen Euro an weltweitem Bruttoinlandsprodukt zu tun. Über 500 Billionen Euro mache der Derivatehandel aus. Haftung und Risiko fallen hier in keinster Weise zusammen“, so der SPD-Politiker.
HYPO NOE Generaldirektor Harold führte dazu einen Vergleich ins Rennen: „Mit dem Einsatz von Derivaten verhält es sich ähnlich wie bei der Medikation durch einen Arzt – es kommt auf die richtige Dosis an. Richtig dosiert können derartige Finanzprodukte durchaus sinnvoll sein, eine Überdosis schadet – auch der Realwirtschaft.“
Der von Helmut Brandstätter gewohnt pointiert moderierten Podiumsdiskussion folgte eine interessante und lebhafte Fragerunde der zahlreichen hochkarätigen Gästen aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben. Die Veranstaltung war der sechste HYPO Invest Club der HYPO NOE Gruppe. Mit Peer Steinbrück bot die HYPO NOE Gruppe auch beim diesjährigen HYPO Invest Club ihren Gästen nach Vortragenden wie u.a. Lothar Späth, Hans-Dietrich Genscher oder Günter Verheugen erneut einen hochkarätigen Key Note Speaker.